Medienrecht

Unwissenheit freut Abmahn-Anwälte

Posted by admin on Juni 16, 2010
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Die meisten Menschen dürften sich wohl darüber einig sein, dass das Internet viele Vorteile bietet. Informationen sind in Hülle und Fülle vorhanden, man kann spielend leicht und vor allem rasend schnell mit anderen Menschen in Kontakt treten und schließlich erleichtert es einem sogar das Einkaufen. Bei all den vielen Möglichkeiten und dem großen Nutzen, den man daraus ziehen kann, wird eins gerne unter den Teppich gekehrt: die Tatsache, dass es auch Tücken gibt. Es werden beispielsweise tausende Abmahnungen verschickt, und zwar an ahnungslose Internetnutzer. Dabei machen sich die Abmahn-Anwälte die Tatsache zu Nutze, dass viele Leute einfach nicht wissen, wo ihre Rechte im Internet anfangen und wo sie aufhören. Allerdings ist es schwierig, einen Überblick über die geltenden Bestimmungen und Vorschriften zu bekommen, selbst wenn man guten Willen zeigt und versucht, sich über Medienrecht zu informieren. Die Informationen sind meist unübersichtlich und schwer verständlich. Das wäre sicher anders, gäbe es nicht Menschen oder Unternehmen, die Interesse an der Unwissenheit vieler Internetnutzer haben. Denn die Abmahn-Anwälte verdienen gutes Geld, indem sie gezielt nach Internetsündern suchen, sei es in Eigenregie oder im Auftrag von Medienkonzernen. Natürlich ist es verständlich, dass die Musik- und Filmindustrie ihre Produkte vor unerlaubtem Herunterladen schützen möchte und daher Filesharing Abmahnungen verschicken lässt. Dennoch sind die gesetzlichen Regelungen in Deutschland so gestaltet, dass sie sehr zum Schaden der Internetnutzer sind. Denn hier muss – anders als in den meisten anderen europäischen Ländern – der Abgemahnte die Zeche zahlen, und zwar vollständig. Auch die Anwaltskosten des gegnerischen Anwalts muss er tragen, zusätzlich zu seinen eigenen, sofern er sich Rechtsbeistand sucht. Gerechtfertigt wird das damit, dass ihm durch die Abmahnung eigentlich ein Gefallen getan wird, indem man ihn durch diese „Warnung“ vor noch höheren Gerichtskosten bewahrt. Dass dies durch mehr Aufklärungsarbeit und übersichtlichere Informationen genauso erreicht werden könnte, interessiert nur wenige, am wenigsten die Anwälte, die an den Abmahnungen verdienen.

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